[...] Die üppigste Einbildungskraft vermag nicht die Mannigfaltigkeit und den Luxus der Formen zu fassen, womit die Natur diese Gegend ausgeschmückt hat. Einzelne Gruppen von Pflanzen, deren jede durch die Eigenthümlichkeit ihres Charakters anzieht, bilden gleichsam so viele Wälder, die durch die eben so mannichfaltigen mit den herrlichen Blüthen geschmückten Lianen zu einem großen Ganzen zusammenfließen, aus welchem die Palmen majestätisch hervorragen. Wie in den Blumen, so auch in den Thieren, besonders den Vögeln, Schmetterlingen, und anderen Insekten; welche die duftigen PflanzenWälder in Menge beleben; scheint die Erde allen Reichthum von Farben und Formen ausgegossen zu haben. Gleicher Reichtum und Überfluß an Gold und Edelgesteinen, den wir bey einigen PrivatPersonen zu sehen Gelegenheit hatten, ist in dem Gneußartier Gebürge niedergelegt, besonders in der Richtung gegen Villa Ricca, dem Hauptort der Capitania von Mias Geraes. - Nein! Brasilien und kein anderes Land ist jenes schon in der Urzeit geträumte hesperische und das hoffnungreiche Paradies unserer Erde! [...]
Mit Anfang der nächsten Woche werden wir teutsche Naturforscher mit Herrn v. Langsdorff auf 8 Tage eine Tour um die Bay von Rio Janeiro von einer Insel zur anderen machen. Auf dieser Excursion hoffen wir die Seevögel, die Pflanzen und Thiere der Inseln zu erhalten. Bey der Trägheit der hiesigen Bewohner und dem völligen Mangel aller Industrie ist durch Kauf sehr wenig zu acquirieren; man ist daher genöthigt, alles selbst zu suchen, zu schießen und auszugraben. Zu diesen Beschwerden kommen noch die Unwegsamkeit der Wälder, in denen die Bäume und Kräuter durch die stammigen Lianen zu einem undurchdringlichen Dickicht verwachsen sind; dann die Carabatas, (Holzböcke) welche sich dem Besucher der Wälder zu Tausenden in die Haut einbohren und mit Blut ansaugen; die Ameisen, welche durch ihren scharfen bösartigen Biss Entzündung verursachen, endlich die Bischus oder Sandflöhe, die sich in die Fußsohle einfressen und die Wunde durch Ausheckung von Jungen vergrößern. Wir alle haben schon von diesen Übeln gelitten. [...]
[...] Wirklich wir sehen auf dieser Reise wie Martyrer aus. Kein Bedienter bleibt, und will ins Innere; die Eseltreiber selbst entfliehen, nur zu oft kein Wasser, und noch öfters nichts als ManiokMehl und gesalzenes gedorrtes Carne de Certao. Gegenwärtig leiden wir beyde an einer Art von Krampf- oder KeichHusten. Auf der Reise von Ilbeos bekam unser Bedienter sogleich Saisons, ebenfalls ein Compagnon von uns aus Bahia.
In Wahrheit, wir bringen mit unserer Gesundheit ein großes Opfer, ohne von den Lebensgefahren durch Schlangen, Oncen (Felis Onca, eine TigerArt), giftigen Tieren und Kräutern sprechen zu wollen.
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Die Sprachen von ungefähr 7 IndianerStämmen haben wir sehr genau notiert, und hoffen von diesen Beobachtungen sehr vielen Aufschluß über den Zusammenhang der MenschenRassen.
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Der Himmel gebe, dass wir diese letzte, ebenso merkwürdige, aber noch härtere Reise nach Maranhao glücklich vollenden!
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